Narr #43: UN/GEZIEFER – CfP abgelaufen

Das NARR ist ein Schweizer Literaturmagazin, das dreimal im Jahr (gedruckt) erscheint, jeweils mit einem übergeordneten Thema, zu dem Texte eingereicht werden können. Die kommende Nr. 43 zum Thema „UN/GEZIEFER“ steht anlässlich des 100. Todesjahrs im Zeichen von Kafka und erkundet sein Verhältnis zu junger, gegenwärtiger Literatur und heutigen Autor:innen.

Die Ausschreibung läuft noch bis zum 31. Mai

Es ist ein folgenschwerer Morgen, an dem Gregor Samsa als Ungeziefer erwacht. Folgenschwer für ihn, aber auch für seine Nachfolger:innen: Noch 2024, hundert Jahre nach Franz Kafkas Tod, ist es unmöglich, literarisches Ungeziefer nicht vor der Folie von Gregor Samsa zu lesen. Die tragikomischen Käfer, Wanzen und Kakerlaken, die Kafka erweckt hat, wimmeln und wuseln seither bildmächtig durch die Weltliteratur, mal verborgen unter der Oberfläche als unbewusster Einfluss und mal offen sichtbar als direkter Bezug.

Der Begriff des Ungeziefers ist natürlich nicht unproblematisch, vor allem mit den Konnotationen des Ekels, des Unerwünschten, des Parasitären. Als Unwort wurde und wird „Ungeziefer“ benutzt, um ganze Menschengruppen zu Schädlingen zu erklären und um Gewalt gegen sie zu legitimieren.

Dabei macht es uns die Literatur durchaus möglich, diesen Begriff umzudeuten und ihn mit neuen Bedeutungen auszustatten: Gregor Samsa ist liebenswert, und zwar nicht obwohl, sondern gerade weil er ein Ungeziefer ist. Wir fühlen mit ihm mit und können uns so mit ihm als Aussenseiterfigur identifizieren. Das ermöglicht uns die positive Aneignung eines negativ besetzten Begriffs und bringt vielleicht sogar eine widerständige Kraft hervor.

In dieser Spannweite zwischen Ekel und Aneignung, Abstossung und Faszination, Ernst und Ironie, zwischen offenliegender Referenz und unterirdisch wimmelnder Inspiration wollen wir in NARR #43 das literarische Potenzial von UN/GEZIEFER hundert Jahre nach Kafkas Tod erkunden. Von Satzzeichen, die wie Flöhe die Seiten sprenkeln, über metaphorische Experimente und wuselnde Prosa bis hin zu plakativen Verlautbarungen ist alles erlaubt.

Wir freuen uns über zahlreiche Einsendungen.

Das Narr #43 erscheint im Herbst 2024.
Deadline: 31. Mai 2024
Einsenden an: texte@dasnarr.ch

 Weitere Informationen: https://dasnarr.ch/opencall/